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Über die Wirkung von Gebissen

Das Bauchergebiss (auch irrtümlich Fillistrense genannt)        

Immer wieder werden wir gefragt, warum wir anstelle der normalen Wassertrense ein Bauchergebiss benutzen. Das Fillisgebiss sieht zwar von außen gleich aus, es hat aber durch sein Mundstück ein völlig andere Wirkung. Wir sprechen also hier über das Bauchergebiss. Hier eine kleine Beschreibung der Wirkung des Gebisses:

1. Das Bauchergebiss wirkt präziser als eine Wassertrense - der Zügel hat nicht so viel Spielraum zum Rutschen, das Gebiss liegt durch die Oberbäume immer richtig herum im Maul und die Oberbäume verhindern das Durchrutschen des Gebisses.



Amata Wassertrense


2. Für Pferde, die zum Aufrollen neigen, ist dieses Gebiss sehr förderlich zur Korrektur, da es eben nicht nur "rückwärts" auf die Laden wirkt, sondern auch aufwärts über die Maulwinkel.

3. Das Bauchergebiss ist auch als Unterlegtrense zu nutzen.

4. Es gibt bei uns eine Ausführung mit doppelt gebrochenem Mundstück und eine mit durchgehender Stange, neuerdings auch mit Mullmouthstange. Wir nutzen diese Gebisse bei jungen Pferden, auch zum Anreiten, sowie als Ausbildungsgebiss - und eine Version mit sehr kleinen Zügelringen und einfach gebrochenem, ergonomisch geformten Mundstück, welche als Unterlegtrense geeignet ist.

5. Für manche Pferde ist die Nutzung eines Kinnriemens oder einer Kinnkette sehr förderlich, diese können an den Oberbäumen problemlos befestigt werden.

Diese Gründe bringen uns dazu, das Bauchergebiss der Wassertrense vorzuziehen. Gern können Sie sich davon auch persönlich ein Bild machen, wenn Sie uns in der Morgenarbeit oder einem Öffentlichen Training besuchen kommen. Eine Baucherstange mit mittlerer Zungenfreiheit, mit dem wir ebenfalls sehr gute Erfahrungen gemacht haben, ist neu im Shop erhältlich und besonders für Pferde mit schmalen Kiefern geeignet - denn diese bevorzugen im Allgemeinen Stangen gegenüber gebrochenen Gebissen.

Und nochmal ganz deutlich: das Gebiss hat keinen Hebel, der Drehpunkt liegt durch den durchrutschenden Zügel nicht am Mundstück, wie bei einem Hebelgebiss / Kandare üblich! 

Das hier ist übrigens ein Fillisgebiss, welches wesentlich schärfer wirkt! 

Quelle: http://www.horsebitbank.com/abbey-fillis-hanging-cheek-721.phtml

 

Die Kandare

Von der Renaissance bis nach dem Zweiten Weltkrieg galt, eine Kandare sei nur einhändig zu führen!

Eine Stange im Maul des Pferdes ist sehr sinnvoll, wenn das Pferd weiter ausgebildet ist und in der Lage ist, sich korrekt zu biegen oder wenn man eine Hand frei haben möchte zum Beispiel für die Angewandte Reitkunst. Auch bei "verbogenen Pferden", die Schwierigkeiten haben, ihren Kopf nicht zu verkippen und damit auf eine Schulter zu fallen, haben wir sehr gute Erfahrungen mit nicht gebrochenen Mundstücken gemacht.

Wie allerdings eine Kandare wirkt und warum eine kurze Kandare nicht unbedingt sanft sein muss, erklären schon die alten Meister. Das Geheimnis liegt im Verhältnis der Länge des Ober- und des Unterbaumes der Schenkel. Hat ein Gebiss einen sehr kurzen Oberbaum, wirkt es schärfer, als eines mit langem Oberbaum. Ist nun das Verhältnis von Unter- zu Oberbaum über 2:1 hat das Gebiss einen recht scharfen Hebel, den es unbedingt mit feiner Reiterhand auszugleichen gilt.

 

Die barocken Gebisse hatten sehr lange Ober- und Unterbäume, dennoch kann man damit auch empfindliche Pferde reiten (wir haben historische Gebiss im Einsatz), wie kommt das?

Durch den langen Hebel braucht es  unheimlich lange, bis etwas im Pferdemaul passiert. So hatte man die Sicherheit, auch bei etwas rauerer Reiterei (zum Beispiel beim Fechten) das Pferd nicht unnötig im Maul zu stören. Zudem hatten die Schenkel unten sogenannte Parierstangen oder Schaumketten, die das Pferd im Falle einer lebensbedrohlichen Situation im Kampf quasi "ausbanden", indem sie die Stange an den Unterhals anlegten. So konnte der Reiter sicher sein, dass das Pferd den Kopf nicht hochschlug und ihm die Waffe aus der Hand riss, vom Gegner aus Versehen verletzt werden konnte oder sich gar selbst Angst vorm Gebiss machen konnte, wenn es beim Treffer des Reiters scheut. Allein im "Löhneysen"  von 1608 sind über 15000 (!) Gebisse aufgemalt und beschrieben - hohlgeschmiedet, mit geschwungenen, verzierten Schenkeln gegen Schenkelschnappen, mit und ohne Zungenspieler - man machte sich also sehr sehr viele Gedanken um die wertvollen Kriegspferde, schließlich vertraute man ihnen auch sein Leben an.

 

Die Mode der Verwendung einer Kandare mit Unterlegtrense kommt aus dem Militär des 19. Jahrhunderts. Bis ins letzte Jahrhundert wurden auch im Turnier Pferde mit Kandare ausschließlich einhändig geführt (mit Unterlegtrense Zügelführung 3:1 - sprich die Trensenzügel in zwei Händen gehalten, die beiden Kandarenzügel in einer Hand) - wir empfehlen dringend, eine Stange im Maul des Pferdes wenn möglich einhändig zu führen, um ein Verkanten des Gebisses zu verhindern.

Auch hier können sie sich gern ein Bild unserer umfangreichen Kandarensammlung vor Ort in Bückeburg machen - verschiedenste Pferdemäuler erfordern auch verschiedenste Gebisse! In der heutigen Zeit wird das häufig durch "traditionelle" Konventionen oder Turnierambitionen vergessen, aber zum Wohle des hochleistenden Pferdes gehört auch, die besten Voraussetzungen zu schaffen! Dazu gehören Zahngesundheit, Überprüfung des Rückens und der Hufe und natürlich die richtige Gebisswahl - auch wenn ein Pferd häufiger wechseln möchte, sollte man hier nicht am falschen Ende sparen! 

Diana Krischke

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